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Neue Behandlungsmethode bei Leukämie im Klinikum

Neue Behandlungsmethode bei Leukämie im Klinikum Wer aus der Weser-Ems-Region heute auf eine Knochenmark- oder Stammzellen-Transplantation mit Fremdspende zur erfolgreichen Behandlung einer akuten Leukämie angewiesen ist, muss weit reisen. Derzeit wird diese Behandlungsmethode nur in Hannover, Hamburg, Münster oder Göttingen angeboten. In der Klinik für Onkologie und Hämatologie des Klinikums ist die Stammzelltransplantation bisher nur in Eigenspende möglich. Das wird sich aber in Zukunft ändern. Ende diesen Jahres wird es auch im Klinikum möglich sein, dass Patienten nach einer Chemotherapie neue Blutzellen von verwandten und unverwandten (allogenen) Spendern erhalten können. Dazu beginnen bereits im Mai auf der Station 412 die Umbaumaßnahmen, da bei allogenen Transplantationen besondere Schutzeinrichtungen, vor allem eine spezielle Raumlufttechnik, vorhanden sein müssen.

Oldenburg, den 23. March 2007. Bedeutung für die Region


„Bisher mussten Patienten, die eine solche Behandlung benötigten, weite Wege in Kauf nehmen. Erschwerend kommt hinzu, dass eine umfangreiche Nachsorge notwendig ist. Dies ist für die Betroffenen eine enorme psychische und zeitliche Belastung“, beschreibt Prof. Claus-Henning Köhne, Direktor der Klinik für Onkologie und Hämatologie die derzeitige Situation, „wir freuen uns, dass wir jetzt eine Einigung mit den Krankenkassen erzielt haben, so dass es bald auch im Klinikum Oldenburg nach einigen Umbaumaßnahmen möglich sein wird, eine Knochenmark- oder Stammzelltransplantation mit verwandten und unverwandten Fremdspendern durchzuführen.“ Die Baumaßnahme wird finanziell vom Niedersächsischen Gesundheitsministerium unterstützt.





Die Erkrankung


In Niedersachsen erkranken jährlich ca. 700 Menschen an Leukämie. Leukämien sind bösartige, meist im Knochenmark beginnende Erkrankungen, die durch eine Ausschwemmung der Tumorzellen ins Blut gekennzeichnet sind. Es gibt zwei unterschiedliche Verlaufsformen: die chronische und die akute Leukämie. Ohne Therapie verläuft die akute Leukämie in Wochen bis wenigen Monaten tödlich. Deshalb ist vor allem bei der akuten Leukämie eine schnelle und umfassende Behandlung wichtig.





Die Behandlung


40 Prozent aller akuten Leukämien im Erwachsenalter (und 80 Prozent bei Kindern) sind mit einer konventionellen Chemotherapie heilbar. Bei den anderen reicht die normale Chemotherapie aber nicht aus. Hier ist die Hochdosischemotherapie mit anschließender Stammzelltransplantation das Mittel der Wahl. Dabei wird das gesamte blutbildende System des Patienten durch eine Chemotherapie zerstört.

Im zweiten Teil der Behandlung bekommt der Patient Blutstammzellen von außen wieder zugeführt, damit sich aus diesen Zellen nach einiger Zeit wieder ein Immunsystem aufbauen kann.

Hier gibt es zwei Möglichkeiten: Vor der Chemotherapie werden dem Patienten eigene Stammzellen (Vorläuferzellen der Blutzellen) abgenommen, die nach der Chemo- oder Strahlentherapie dem Patienten wieder zugeführt werden. Daraus bildet sich wieder sein eigenes Immunsystem auf. Diese Behandlungsmethode heißt autologe Transplantation und wird im Klinikum auf Station 312 seit April 1993 durchgeführt. „Bisher sind ca. 850 autologe Transplantationen durchgeführt worden“, berichtet der Leitende Arzt Dr. Bernd Metzner, „das Alter der Patienten liegt zwischen 18 und 70 Jahren.“ Der Vorteil bei patienteneigenen Stammzellen ist, dass weniger Nebenwirkungen auftreten, der Nachteil ist, dass es häufiger zu Rückfällen kommen kann. Die Heilungsquote liegt je nach Tumor zwischen 20 und 70 Prozent.

Bei einigen Erkrankungen ist die allogene Transplantation Mittel der Wahl. Hier kommen die Blutstammzellen nicht vom Patienten selber, sondern von einem anderen. Das können Verwandte sein, aber auch unverwandte Personen, die die passenden Gewebestrukturen aufweisen. Bei der allogenen Transplantation handelt es sich um eine Immuntherapie, weil sich aus den Zellen des Spenders nicht nur ein neues Immunsystem aufbaut, sondern sich Spenderzellen zusätzlich gegen die eventuell übrig gebliebenen bzw. wiederkehrenden Leukämiezellen des Patienten wenden, diese sofort zerstören und somit die Effekte der Chemotherapie verstärken. Die Heilungschancen liegen im Schnitt bei 50 bis 60 Prozent, bei bestimmten Leukämiearten sogar bei 90 Prozent.





Die Baumaßnahme


Bis das Immunsystem des Patienten wieder seine Arbeit aufnehmen kann, ist der Körper für einige Wochen Krankheitserregern wehrlos ausgeliefert. Deshalb müssen die Patienten in dieser Zeit vor möglichen Viren-, Bakterien- und Pilzattacken abgeschottet werden und sich in speziellen, keimarmen Stationen aufhalten. Bei einer Fremdspende reichen diese Maßnahmen aber nicht aus, da als zusätzliches Risiko eine Abstoßungsreaktion auf die Fremdspende erfolgen kann. Deshalb beginnt ab Mai eine Umbaumaßnahme in einem abgetrennten Bereich der Station 412. Hier werden sechs Patientenzimmer mit neuer Raumlufttechnik ausgestattet, um den Anforderungen einer allogenen Transplantation entsprechen zu können. „Wir hoffen, dass es Ende des Jahres bereits losgehen kann.“, sieht Prof. Köhne in die Zukunft.





Ihr Ansprechpartner:
Prof. Köhne, eMail onkologie@klinikum-oldenburg.de
 
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