

250 Luftballons stiegen am 17. November 2010 vor dem Eingang der Kinderklinik des Klinikums Oldenburg vor den Augen von Eltern, Pflegenden, Hebammen und Ärzten in den Himmel auf. An den Luftballons hingen Postkarten mit guten Wünschen und den Vornamen sowie dem Geburtsgewicht von 250 Kleinen, die in diesem Jahr im Klinikum als Frühgeborene zur Welt kamen. Damit nimmt das Klinikum an der bundesweiten Luftballonaktion zum Internationalen Tag des Frühgeborenen teil. Tausende Luftballons werden an diesem Tag in vielen Städten der Republik in die Lüfte gehen. Mit dieser Aktion wollen der Bundesverband Selbsthilfegruppen, Fördervereine und Kinderkliniken gemeinsam auf die größte Kinderpatientengruppe Deutschlands aufmerksam machen.
Oldenburg, den 17. November 2010.
Im Klinikum Oldenburg werden zu früh Geborene im Perinatalzentrum Level 1 betreut. Hier arbeiten die Oldenburger Frauenklinik und die Kinderklinik Hand in Hand, um den kleinen Patienten von Anfang an bestmöglich zu versorgen. In der Frauenklinik kommen jährlich fast 1.300 Kinder auf die Welt, jede fünfte Geburt ist dabei eine Frühgeburt. Die Frühgeborenen kommen direkt auf die dem Kreissaal angegliederte Neointensivstation. Das Klinikum Oldenburg hat zwei Stationen nur für Früh- und Neugeborene, die einer spezialisierten Behandlung bedürfen. Jährlich werden etwa 340 Frühgeborene aufgenommen, davon jetzt schon über 100 mit einem Geburtsgewicht unter 1.500 Gramm. Damit versorgt das Elisabeth-Kinderkrankenhaus in Oldenburg mehr der kleinen Frühgeborenen als jedes andere Perinatalzentrum in Niedersachsen.
„Deutschlandweit werden jährlich 60.000 Kinder zu früh geboren“, weiß Prof. Dr. Eduard Malik, Direktor der Oldenburger Frauenklinik, „die Gründe dafür sind vielfältig. Mehrlingsschwangerschaften, aber auch Erkrankungen der Mutter oder eine plötzliche Verschlechterung der Versorgung des ungeborenen Kindes können Auslöser einer Frühgeburt sein.“ Prof. Dr. Jürgen Seidenberg, Direktor der Neonatologie in der Kinderklinik, ergänzt: „Eine Frühgeburt ist immer mit Risiken und dadurch notwendiger spezialisierter Betreuung verbunden. Da sind zum einen die gesundheitlichen Risiken für den Säugling unmittelbar nach Geburt, zum anderen können aber auch später Eltern und Angehörige Unterstützung benötigen für die weitere Entwicklung des Kindes . Diese Besonderheiten eines Frühgeborenen werden nicht in entsprechendem Maß wahrgenommen. Die bundesweite Aktion soll auf diese Situation aufmerksam machen.“
Die gesundheitlichen Schwierigkeiten der Frühgeborenen hängen stark vom Geburtstermin ab. „Je früher es zu der Geburt kommt, desto größer sind die gesundheitlichen Schwierigkeiten, mit denen das Neugeborene zu kämpfen hat“, weiß Dr. Eva Cloppenburg, seit 15 Jahren Oberärztin der Früh- und Neugeborenenstationen im Perinatalzentrum. „Organe, wie zum Beispiel die Lunge, sind dann noch nicht voll entwickelt. Viele sehr kleine Frühgeborene müssen deshalb auch im Inkubator künstlich beatmet werden.“
Aenne Siemen, Kinderkrankenschwester und Stationsleitung der Neointensivstation 151 freut sich über die Luftballonaktion: „Im Klinikalltag bleibt kaum Zeit, mal innezuhalten und über das Spezielle unserer Arbeit nachzudenken. Mit diesen Luftballons tun wir das.“, und ergänzt: „Im Gegensatz zu vielen anderen Stationen des Klinikums sind unsere kleinen Patienten oft viele Wochen, manchmal sogar Monate bei uns. Und trotz jahrelanger Erfahrung bringt es mich immer wieder zum Staunen, wie gut sich selbst kleinste Frühgeborene entwickeln können. Der Weg dahin ist zwar nicht einfach für das Kind, die Eltern und Angehörigen, auch nach der Entlassung, aber es bestätigt uns in unserer Arbeit, wenn wir später sehen, wie sich „unsere“ Frühgeborenen entwickelt haben.“
Hintergrundinformationen zum Perinatalzentrum Level 1
Es gibt vier Versorgungsstufen bei Perinatalzentren. Level 4 sind Geburtskliniken ohne kooperierende Kinderklinik. Hier sollen nur Schwangere ab der 36 Schwangerschaftswoche und ohne zu erwartende Komplikationen bei dem Neugeborenen entbunden werden.
Level 1 ist das höchste Level. Ein Perinatalzentrum Level 1 versorgt Früh- und Neugeborene mit höchstem Risiko. Das bedeutet, dass alle zu erwartenden Frühgeburten mit einem geschätzten Gewicht unter 1250 g, beziehungsweise früher als in der 29. Schwangerschaftswoche, aber auch bei Mehrlingsgeburten ab Vierlingen in einem Perinatalzentrum Level 1 entbunden und auch später betreut werden.
Zudem ist die Entbindung im Perinatalzentrum dann erforderlich, wenn nach der Geburt mit einer unmittelbaren Notfallversorgung des Neugeborenen zu rechnen ist. Hierzu gehören zum Beispiel Stoffwechselerkrankungen der Mutter, die das Kind gefährden können oder bereits in der Schwangerschaft festgestellte Fehlbildungen, unter anderem Herzfehler.
Zusätzliche Informationen zum Perinatalzentrum Level 1 im Klinikum Oldenburg
Das im Klinikum Oldenburg vorhandene Perinatalzentrum Level 1 gibt es bereits seit 15 Jahren.
Es versorgt jedes Jahr ca. 340 Frühgeborene, die früher als in der 37. Schwangerschaftswoche auf die Welt kamen.
Das Zentrum erfüllt dabei alle Bedingungen des gemeinsamen Bundesausschusses von Ärzteschaft, Krankenkassen und Patientenvertreter.
In der Frauenklinik mit seinem Institut für Zytogenetik und der Abteilung für Ultraschalldiagnostik werden bereits vor der Geburt alle Maßnahmen der Diagnostik und Therapie einschließlich aller Möglichkeiten der vorgeburtlichen stationären Überwachung angeboten. Die hier und im Kreißsaal tätigen Pflegenden, Hebammen und Ärzte sind speziell im Umgang mit Risikoschwangerschaften und Risikogeburten geschult.
Die neonatalen Intensivstationen der Kinderklinik befinden sich in unmittelbarer Nähe des Kreißsaales. Hier kümmern sich Pflegepersonal und Kinderärzte, die speziell für Früh- und Neugeborene ausgebildet sind, rund um die Uhr vom ersten Tag an um die Kinder.
Zudem können jederzeit im Bedarfsfall Kollegen aus anderen Fachgebieten, zum Beispiel Kinderkardiologen, Kinderchirurgen und Kinderurologen hinzugezogen werden. Diese Disziplinen sind alle im Klinikum Oldenburg vorhanden.
Die seit 2005 gesetzlich vorgegebene Qualifizierung der Perinatalzentren führte insgesamt zu einer Konzentrierung der Betreuung von Risikoschwangerschaften und Risikogeburten in Level 1 Zentren. Dieser Trend ist auch im Perinatalzentrum des Klinikums zu beobachten. Bei einer konstanten Geburtenzahl von jährlich knapp 1.300 Geburten ist jede fünfte eine Frühgeburt. Die Zahl der Kinder, die unter der 32. Schwangerschaftswoche im Perinatalzentrum des Klinikums geboren wurden, stieg von 7,3 Prozent im Jahr 2009 auf 9,5 Prozent in 2010.
Ihr Ansprechpartner:
Barbara Delvalle, eMail delvalle.barbara@klinikum-oldenburg.de
10.11.2012:

(Kurs)
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